Quartäre Radiation: Unterschied zwischen den Versionen

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311 Bytes hinzugefügt ,  17. Oktober 2009
 
== Entwicklung ==
[[Datei:Darwin-chart.png|center|miniatur|600px|<center>Die Entwicklung des blonden Haarteils nach Charles Darwins ''„The Origin of Hairpieces by Means of Natural Selection, or the Preservation of <math>\mathfrak{Favoured}</math> <math>\mathfrak{Races}</math> in the Struggle for Life.“'' (1859)</center>]]
===Ein unehrlicher Anfang===
[[Datei:Max und Moritz in der Mühle.png|miniatur|230px|Abzwacken von Getreide in der Mühle der Weizsäcker in Eckartsweiler (um 1730)]]
Die Weizsäcker stammen aus der untersten Stufe des Quartärs, einer sogenannten „unterständischen“ Randgruppe, die über Generationen das anrüchige Müllergewerbe<ref>Vgl. ''Reallexicon der Deutschen Altertümer'', hgg. v. E. Götzinger, Leipzig 1885, S. 667</ref><ref>Günter Bayerl, Artikel ''Müller'' in: Reinhold Reith (Hg.), ''Lexikon des alten Handwerks. Vom späten Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert'', München 1990, S. 171</ref><ref>Werner Danckert, ''Unehrliche Leute: die verfemten Berufe'', 1963, S. 127ff</ref><ref>Martina Switalski, ''Landmüller und Industrialisierung: Sozialgeschichte fränkischer Mühlen im 19. Jahrhundert'', Band 450 der Internationalen Hochschulschriften, 2005, S. 153ff</ref><ref>Bernd-Ulrich Hergemöller, ''Randgruppen der spätmittelalterlichen Gesellschaft'', 2001, S. 54, 219ff</ref><ref>Wolfgang von Hippel, ''Armut, Unterschichten, Randgruppen in der frühen Neuzeit'', Band 34 von Enzyklopädie deutscher Geschichte, 1995, S. 36f</ref><ref name="Mager" >Johannes Mager, Günter Meissner, Wolfgang Orf, ''Die Kulturgeschichte der Mühlen'', 1989, S. 154f</ref> ausübte. Müller zählten vielenorts teils bis weit in das 19. Jahrhundert hinein<ref name="Mager" /><ref>Martina Reiling, ''Bevölkerung und Sozialtopographie Freiburgs i. Br. im 17. und 18. Jahrhundert: Familien, Gewerbe und sozialer Status'', Band 24 der Veröffentlichungen aus dem Archiv der Stadt Freiburg im Breisgau, 1989, S. 102 „Müller galten vielerorts und lange Zeit über das Mittelalter
hinaus als unehrlich“.</ref> zu den „unehrlichen“ Berufen, vor allem, weil sie den Bauern Getreide abzwackten. Teilweise gehen Familienmitglieder diesem Erwerb in der angestammten Heimat noch bis in die jüngste Zeit (Stand 1987) nach. Armut führt nämlich zur Reproduktion solcher gesellschaftlicher Konglomerate von Marginalisierten aus sich selbst und verhindert den Wechsel in andere soziale Schichten.
 
Wer in eine Familie mit unehrlichem Beruf hineingeboren wurde, wurde darin in der Regel zeitlebens festgehalten. Das Geschlecht, dessen urkundlich lückenlos belegte Stammfolge mit Nicolaus Weizsäcker (1612–1673) beginnt, teilte sich in zahlreiche Linien. Ein Zweig der sogenannten Öhringer Linie wechselte in einer mehrere Generationen dauernden Entwicklung in die Politik. Seine Mitglieder weisen nach der phänotypischen Ausprägung ihrer Erbmerkmale unverändert eine kodominante Neigung zur Unehrlichkeit auf. Beginnend mit dem Koch Gottlieb Jacob Weizsäcker zeigt sich als Auslöser dieses Wechsels in die Politik vermutlich als Spontanmutation ein überlagernder Trieb, sich im Bannkreis staatlicher Macht aufzuhalten. Da Söhne von Müllern eigentlich bereits zu Zeiten Karls des Großen von allen Ämtern und Würden ausgeschlossen waren,<ref>Götzinger, E., ''Reallexicon der Deutschen Altertümer'', Leipzig 1885, S. 1028</ref> rief der Trieb angesichts wechselnder politischer Umgebungen eine als Selektionsvorteil wahrgenommene verstärkte Ausprägung der Unehrlichkeit hervor.
 
===Ein steiler Aufstieg===
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===Ein unehrlicher Anfang===
[[Datei:Max und Moritz in der Mühle.png|miniatur|230px|Abzwacken von Getreide in der Mühle der Weizsäcker in Eckartsweiler (um 1730)]]
Die Weizsäcker stammen aus der untersten Stufe des Quartärs, einer sogenannten „unterständischen“ Randgruppe, die über Generationen das anrüchige Müllergewerbe<ref>Vgl. ''Reallexicon der Deutschen Altertümer'', hgg. v. E. Götzinger, Leipzig 1885, S. 667</ref><ref>Günter Bayerl, Artikel ''Müller'' in: Reinhold Reith (Hg.), ''Lexikon des alten Handwerks. Vom späten Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert'', München 1990, S. 171</ref><ref>Werner Danckert, ''Unehrliche Leute: die verfemten Berufe'', 1963, S. 127ff</ref><ref>Martina Switalski, ''Landmüller und Industrialisierung: Sozialgeschichte fränkischer Mühlen im 19. Jahrhundert'', Band 450 der Internationalen Hochschulschriften, 2005, S. 153ff</ref><ref>Bernd-Ulrich Hergemöller, ''Randgruppen der spätmittelalterlichen Gesellschaft'', 2001, S. 54, 219ff</ref><ref>Wolfgang von Hippel, ''Armut, Unterschichten, Randgruppen in der frühen Neuzeit'', Band 34 von Enzyklopädie deutscher Geschichte, 1995, S. 36f</ref><ref name="Mager" >Johannes Mager, Günter Meissner, Wolfgang Orf, ''Die Kulturgeschichte der Mühlen'', 1989, S. 154f</ref> ausübte. Müller zählten vielenorts teils bis weit in das 19. Jahrhundert hinein<ref name="Mager" /><ref>Martina Reiling, ''Bevölkerung und Sozialtopographie Freiburgs i. Br. im 17. und 18. Jahrhundert: Familien, Gewerbe und sozialer Status'', Band 24 der Veröffentlichungen aus dem Archiv der Stadt Freiburg im Breisgau, 1989, S. 102 „Müller galten vielerorts und lange Zeit über das Mittelalter
hinaus als unehrlich“.</ref> zu den „unehrlichen“ Berufen, vor allem, weil sie den Bauern Getreide abzwackten. Teilweise gehen Familienmitglieder diesem Erwerb in der angestammten Heimat noch bis in die jüngste Zeit (Stand 1987) nach. Armut führt nämlich zur Reproduktion solcher gesellschaftlicher Konglomerate von Marginalisierten aus sich selbst und verhindert den Wechsel in andere soziale Schichten.
 
Wer in eine Familie mit unehrlichem Beruf hineingeboren wurde, wurde darin in der Regel zeitlebens festgehalten. Das Geschlecht, dessen urkundlich lückenlos belegte Stammfolge mit Nicolaus Weizsäcker (1612–1673) beginnt, teilte sich in zahlreiche Linien. Ein Zweig der sogenannten Öhringer Linie wechselte in einer mehrere Generationen dauernden Entwicklung in die Politik. Seine Mitglieder weisen nach der phänotypischen Ausprägung ihrer Erbmerkmale unverändert eine kodominante Neigung zur Unehrlichkeit auf. Beginnend mit dem Koch Gottlieb Jacob Weizsäcker zeigt sich als Auslöser dieses Wechsels in die Politik vermutlich als Spontanmutation ein überlagernder Trieb, sich im Bannkreis staatlicher Macht aufzuhalten. Da Söhne von Müllern eigentlich bereits zu Zeiten Karls des Großen von allen Ämtern und Würden ausgeschlossen waren,<ref>Götzinger, E., ''Reallexicon der Deutschen Altertümer'', Leipzig 1885, S. 1028</ref> rief der Trieb angesichts wechselnder politischer Umgebungen eine als Selektionsvorteil wahrgenommene verstärkte Ausprägung der Unehrlichkeit hervor.
 
===Ein prekärer Mundkoch===
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