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In der Praxis trennt man die beiden Phasen dann oft doch nicht so streng, denn der kreative Mensch hat beim Selektieren alter Ideen oft schon wieder neue. Dann fängt es an, erst richtig Spaß zu machen, und man muss aufpassen, dass ein guter Gedanke nicht wieder verlorengeht.
=== Satirische Techniken ===
Satire kann man nicht lernen wie ein Handwerk. Oder doch? Es gibt tatsächlich „bewährte“ Techniken der Pointenbildung, die seit Jahrhunderten angewendet werden und immer noch funktionieren. (Die ältesten Witze sind halt doch die besten!)
Zum Beispiel diese:
==== Das Wortspiel ====
Die Sprache, die wir täglich sprechen und bestens zu kennen glauben, hat immer noch jeden Tag Überraschungen zu bieten. Aus Sparsamkeitsgründen hat nämlich fast jedes Wort gleich mehrere Bedeutungen. Damit kann der Satiriker hübsche Effekte erzielen. Durch klammheimliches Ändern der Wortbedeutung führt er den Leser an der Nase herum und räumt die Pointe ab. Ideal ist es, wenn die zweite Bedeutung eines Wortes im gleichen Kontext ebenso einen Sinn ergibt wie die erste.
Als Meister dieser Wortakrobatik galt zum Beispiel [[Heinz Erhardt]]: ''Im Übrigen heiß' ich nicht nur Heinz Erhardt, sondern Sie auch herzlich willkommen''. Das Schöne an dieser eleganten Wortverdrehung ist, dass man sofort jeden mitnimmt, der der deutschen Sprache mächtig ist. Ein Zehnjähriger freut sich über diesen Kalauer ebenso wie ein Erwachsener.
Mehr Vorsicht ist bei Fremdwörtern geboten: ''Autoerotik'' könnte ein schönes Wortspiel abgeben, aber leider werden die meisten Zeitgenossen nicht erkennen, dass dieses Wort überhaupt eine andere Bedeutung hat als ''Petting auf dem Rücksitz''.
==== Die Dreierregel ====
Eine einfache, aber effektive Witztechnik ist die sogenannte ''Dreierregel''. Ein nach der Dreierregel gestrickter Witz setzt sich aus drei Elementen zusammen - die ersten beiden Elemente müssen irgendwie zusammenpassen und geben damit eine Erwartungshaltung vor, das dritte Element durchbricht dann diese Erwartung und erzeugt damit die Pointe. Im einfachsten Fall können das nur drei Begriffe sein: ''In Deutschland fehlen die Fachkräfte überall - in der Wirtschaft, in der Verwaltung, im organisierten Verbrechen.''
Dieser Technik begegnet man immer wieder, jeder Comedian beherrscht sie, und die typischen Comicstrips bestehen nicht ohne Grund aus drei Bildern.
==== Die Eskalation ====
Als Erweiterung der Dreierregel kann man jede Form der Aufzählung zur Erzeugung von Pointen verwenden. Die Technik ist immer dieselbe: wir beginnen mit etwas Bekanntem, wir bestätigen zunächst mal die Erwartungshaltung des Lesers, um ihn dann mehr oder weniger abrupt ins Absurde zu entführen.
''Als klassische ritterliche Tugenden gelten Tapferkeit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit gegen die Schwachen, die Hufpflege, das Ölen der Rüstung und die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit in geschlossenen Ortschaften.''
Eine solche Eskalation ist witziger als wenn man gleich mit dem Absurden anfängt bzw. nur Absurditäten aufzählt. Doch auch so ist bei Aufzählungen Vorsicht geboten. Wenn die Pointe mal gesetzt ist, ist es Zeit, aufzuhören. Noch einen draufzusetzen und noch einen, macht die Sache nicht witziger, sondern man gerät dann in Gefahr, den Witz zu Tode zu reiten.
==== Die Verdrehung ====
Eine weitere einfache Möglichkeit, dem Leser eine witzige Überraschung zu bereiten, ist es, etwas Bekanntes einfach umzudrehen: ''Die Arbeit ist der Fluch der trinkenden Klasse'', wie [[Oscar Wilde]] bereits feststellte. Der Sprachgebrauch bietet so viele Binsenweisheiten, [[Aphorismus|Aphorismen]] und Redensarten, die es längst verdient haben, mal von hinten aufgezäumt zu werden. Daher: ''Lerne klagen, ohne zu leiden.''
==== Ernste Themen albern behandeln ====
Nichts ist schöner als ein Thema zu entdecken, das andere Menschen furchtbar ernst nehmen, und dieses dann auf die Schippe zu nehmen. Tod, Krieg, Religion, Krankheit, Umwelt, Kunst, Political Correctness - wenn ein Thema mit einem Diskussionsverbot oder Tabu besetzt ist, dann ist es an dir, dieses Tabu auf witzige Weise zu brechen! ''Nach seinem Besuch in Lourdes waren die Reifen seines Rollstuhls wie neu.''
Geschmacksgrenzen sind dazu da, überschritten zu werden. Aber auch hier gilt: oft ist nicht der rabiate Tabubruch am witzigsten, sondern die Gratwanderung entlang der Toleranzschwelle des Lesers.
==== Alberne Themen ernst behandeln ====
Umgekehrt geht es natürlich auch. Denke dir etwas völlig Absurdes aus und schreibe darüber in einem todernsten Stil, im Brustton der Überzeugung, mit der größten Selbstverständlichkeit. Ein Beispiel dafür ist der Artikel [[Taos Hum]] oder die Steinlaus von [[Loriot]].
==== Die Parodie ====
Eine Parodie setzt darauf, dass der Leser etwas wiedererkennt, es ist also wichtig, dass man etwas allgemein Bekanntes parodiert, zum Beispiel einen bekannte Persönlichkeit oder Werbespot oder ein Buch. Und so geht es: Man nimmt sich zunächst mal die Wahrheit her, die bekannten Tatsachen. Dann dreht man an diesen ein wenig herum, übertreibt hier und da, verdreht und verzerrt hier und da etwas, damit die Wahrheit markanter und lustiger wird. Das ist wie eine Karikatur: man verzerrt ein Gesicht und hebt die markanten Stellen hervor, aber so, dass man noch erkennt, wer gemeint ist.
[[Datei:Rösler-Westerwelle.jpg|right|thumb|150px|Philipp Rösler als junger Medizinstudent, hier mit seiner ersten selbstpräparierten Leiche.]]
==== Die Dissonanz ====
Die Technik der Dissonanz setzt darauf, den Leser mehreren Eindrücken gleichzeitig auszusetzen, die nicht zueinander passen. Der Witz entsteht durch den Kontrast. Diese Technik wird besonders gern in Sketchen im Fernsehen angewendet, weil man dort die Möglichkeit hat, Bild und Ton gleichzeitig einzusetzen und damit einen Effekt zu erzielen. Aber auch der bescheidene Uncyclopedianer kann dies tun, indem er etwa ein Bild mit einem sarkastischen Kommentar in seinen Artikel einbaut. Siehe Beispiel rechts.
=== Stilmittel ===
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