Dekomüll

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„Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen Menschen gibt, der nicht immer neue Bedürfnisse hat.“

~ Ludwig Erhard

„Bedarfsweckung jedoch gefährdet die Bedarfsdeckung.“

~ Alexander Schalck-Golodkowski
Eine klassische Erscheinungsform des Dekomülls ist die Kugel. Eine Kugel ist nicht nur schön und zweckfrei, sondern auch noch praktisch, weil sie nicht umfallen kann. Kugeln werden dennoch gern mit zahlreichen anderen Dekomüllsorten kombiniert.

Dekomüll (an der Laube auch Zinnober, im Weinregal auch Zinfandel) ist ein Sammelbegriff für eine Klasse von Gegenständen, die sich durch eine dekorative äußere Erscheinung und die völlige Abwesenheit jeglichen Gebrauchswerts auszeichnen.

Phänomen Dekomüll[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dekomüll als eigenständiges Segment unter den Konsumgütern ist ein Produkt der Wohlstandsgesellschaft. In den Industrieländern besitzen breite Schichten der Bevölkerung im Grunde schon alles, was sie wirklich zum Leben brauchen, vieles davon sogar mehrfach. Dazu besitzen sie auch bereits eine Reihe von Dingen, die sie nicht wirklich brauchen. Wenn diese Verbraucherschichten nun dazu übergehen würden, sich nur noch Dinge anzuschaffen, die ihnen einen Nutzen bringen, dann würde das derzeitige Wirtschaftssystem in kurzer Zeit zusammenbrechen. Aus diesem Grund werden alle Verbraucher massiv dazu angeregt, ständig neue, nutzlose Gegenstände zu erwerben.

Durch pfiffige Auswahl und Zusammenstellung der Accessoires können sogar Farbenblinde ihren exquisiten Geschmack zum Ausdruck bringen.

Um dem Verbraucher einen Grund für die Anschaffung nutzloser Gegenstände vorzugaukeln, wurde das Design erfunden. Ursprünglich hatte das Design lediglich die Aufgabe, einen (nützlichen) Gegenstand optimal zu gestalten; die Menschen, die sich mit Design beschäftigten, erkannten jedoch schnell, dass man Gegenstände auch ausschließlich aufgrund ihres Designs verkaufen kann und ein Nutzen gar nicht unbedingt erforderlich ist. Aus dieser Erkenntnis entstand letztlich die Dekomüllindustrie.

Für die Vermarktung des Dekomülls wird oft auf soziale Mechanismen zurückgegriffen, zum Beispiel auf das Schenken. Der Austausch von Geschenken hatte schon immer eine wichtige Funktion für den sozialen Zusammenhalt einer Gruppe. In der Wohlstandsgesellschaft wird es zunehmend schwierig, einem anderen Menschen ein wirklich sinnvolles und freudebringendes Geschenk zu machen. Daher greift man heute gern auf edlen Dekomüll zurück, um einer anderen Person seine Wertschätzung und/oder Zuneigung auszudrücken.

Lifestyle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen eines Dekomüllvermarktungsgesamtkonzepts sind heutzutage alle Verbraucher angehalten, sich einen Lifestyle anzuschaffen. Der Lifestyle ist eine Form der Persönlichkeitsprothese und ermöglicht dem Individuum die Selbstverwirklichung durch Konsum. Die Auswahl bestimmter Designs, die Gestaltung von Wohninnenräumen und das Drapieren passender Accessoires dient dem modernen Menschen der gehobenen Käuferschichten als Ausdruck der persönlichen Freiheit.

Zweifellos verleiht liebevoll gestaltete Weihnachtsdekoration auch dem bescheidensten Heim noch festlichen Glanz.

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In wirtschaftlichen Zusammenhängen wird Dekomüll auch unter den Begriffen Nutzlose Wirtschaftsgüter oder Geringwertige Gegenstände ohne Gebrauchswert (GGoG) geführt. Hierfür gibt es spezielle Abschreibungsregelungen: Da GGoG keinerlei Wert haben, können sie auch nicht abgeschrieben werden, obwohl ihre Anschaffung mit Kosten verbunden ist. Vorsteuerabzug ist ebenfalls ausgeschlossen.

Volkswirtschaftlich hat die Dekomüll-Industrie eine große Bedeutung. In Deutschland beschäftigen sich Millionen von Kunsthandwerkern, Heimarbeitern, gelangweilten Ehefrauen und Rentnern mit dem Entwurf und der Produktion von Dekomüll für Floh- und Weihnachtsmärkte, Wohltätigkeitsveranstaltungen und für den touristischen Nepphandel. In Asien sind sogar Milliarden von Menschen ausschließlich mit der industriellen Fertigung von Dekomüll beschäftigt. Ein großer Teil der Handelsbilanz zwischen Deutschland und China basiert darauf, dass Deutschland Maschinen und Anlagen (zur Dekomüllproduktion) nach China liefert und China dafür in großen Mengen Dekomüllfertigprodukte nach Deutschland exportiert, die in erster Linie über die Krempelabteilungen der Waren- und Möbelhäuser vertrieben werden.

Kerzen haben zwar theoretisch noch einen Nutzwert, werden aber von der Fachwelt dennoch eindeutig dem Dekomüll zugeordnet.

Möbelhäuser fördern seit Jahrzehnten massiv den Vertrieb von Dekomüll, weil sich hiermit gleichzeitig auch das Kerngeschäft forcieren lässt: wer sich viel Dekomüll anschafft, braucht auch mehr Regale und Vitrinen, um den hart erarbeiteten Dekomüll zu Hause präsentieren zu können. Pioniere des Dekomülls waren IKEA, Tchibo und Frauen.

Saisonale Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dekomüll war schon seit Menschengedenken Bestandteil des typischen Weihnachtsgeschäfts. Die Menschen lieben es seit jeher, ihren Weihnachtsbaum mit Dekomüll zu behängen und zur Adventszeit bunten Kitsch auf ihre Fensterscheiben zu kleben.

Eine große Leistung der Dekomüllindustrie war es, das Dekomüllgeschäft auf zahlreiche weitere Gelegenheiten im Jahreslauf auszudehnen. Heute wird Dekomüll auch zum Karneval, zu Ostern oder zu Halloween verkauft, der Frühling wird mit Dekomüllmaikäfern begrüßt, im Urlaub kauft man Dekomüll als Andenken, und auch für Werbe- und Promotionzwecke wird gern auf Dekomüll zurückgegriffen.

Dem Gartenfreund steht natürlich deutlich mehr Fläche für die Platzierung von Dekomüll zur Verfügung.

Sammler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dekomüll weckt im durchschnittlichen Verbraucher uralte Instinkte des Jägers und Sammlers. Während Männer ihre Sammelleidenschaft oft eher auf sinnvolle Dinge wie Sportwagen, Briefmarken oder Lederhosenfilme konzentrieren, sucht sich die kreative Frau ihr Sammelgebiet gern auf dem weiten Feld des Dekomülls oder erfindet ein solches Sammelgebiet völlig neu. Ein solches Sammelgebiet könnten zum Beispiel gelbe Keramikhühner oder Bauernfiguren aus handgeschöpfter Wellpappe sein. Für ein gelbes Keramikhuhn fährt die Kundin dann gern mal 150 km zum Kunsthandwerker an die Nordseeküste, aber ebensogut kann es vorkommen, dass gleich 50 Stück auf der Sonderpostenrampe im nächsten 1-Euro-Shop zu haben sind. Dann müssen die Käthe-Kruse-Puppen eben endlich mal weg, die kann man bestimmt noch günstig bei ebay verkloppen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Feodora von Reber: Pappsüß! – Pseudokapitalistische Konsumwelten im Puppenhausstil. Patriot Books of Tritonesia, ISBN 9-0018-0545-3

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Erfindungen, die unser Leben veränderten
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Dieser Artikel ist Artikel der Woche 46/2008
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