Koboldblau

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Koboldblau ‒ Zu Risiken und Nebenwirkungen legen Sie die Packung beiseite und fragen Sie die Irrenärztin Ihres Apothekers.

Koboldblau ist ein anorganisches Blaupigment, das der Gruppe der Stimmungsfarben innerhalb der Klasse der Märchenfarbstoffe zugeordnet wird. Seine Farbtiefe reicht von Blubberblasen-Blassblau bis zu sattem Sturmtiefblau; der Farbton changiert je nach Gemütslage des Betrachters. Umgekehrt lässt sich Koboldblau auch verwenden, um Stimmungen gezielt einzufärben. Die Bezeichnung Koboldblau geht auf die erste, leider nicht dokumentierte Gewinnung des Farbstoffs durch Kobolde zurück.[1]

Geschichte[edit | edit source]

Der Kobold Oxyd, rekonstruierte fotorealistische Darstellung

Zu einer Zeit, in der es weder Zahlen noch einen Christus gab, entdeckte der Kobold Oxyd einige glitzernde, tiefblaue Teilchen in der Asche seines Lagerfeuers, nachdem er die Glut mit Wasser gelöscht hatte. Da Oxyd nicht nur handwerklich geschickt, sondern auch hochbegabt war, folgerte er schnell, dass sie mit den Rückständen seines Schmelzofens zusammenhingen, die er ins Feuer gekippt hatte. In einer Studie, die mangels der Existenz von Zahlen und Zeitschriften nie veröffentlicht wurde, fand Oxyd heraus, dass die blauen Kristalle* nur dann entstanden, wenn er Erz aus dem südnördlichsten Ende seiner Mine geschmolzen hatte. Obwohl er weder wusste, wie Geologie buchstabiert wird, noch, was sich mit Chemie alles anstellen lässt, zog er folgerichtig folgende Folgerung: In seinem Gestein musste ein Mineral enthalten sein, das mit dem sandigen Untergrund seiner Feuerstelle, der Ofenasche und dem Feuer zu etwas Krass-Blauem reagierte.

Oxyd sammelte die blauen Teilchen, schliff und polierte sie und tauschte seine „Himmelssplitter“ gegen allerlei Nützliches und noch mehr dummes Zeug ein. Aus dem Schleifstaub und dem Öl, das er auch zum Braten und zur Werkzeugpflege benutzte, mischte er eine Farbe an, mit der er alles Mögliche bepinselte, um für sein Himmelblau zu werben. So baute er ein wenig lukratives Geschäft auf, das ihn nicht nur glücklich, sondern auch nicht reich machte. Dabei stellte er fest, dass offenbar auch die Stimmung seiner Kunden mit dem Blauton seiner Kunstwerke variierte, woraufhin er seine psychologischen Grundkenntnisse erweiterte, indem er mit diversen Farbvarianten zu experimentieren begann. Am glücklichsten machte er seine Geschäftsfreunde, wenn er ihnen „das Blaue von Himmel“ versprach und es – im Gegensatz zu allen anderen – auch liefern konnte. Unliebsame Weggenossen erlebten hingegen nicht selten ihr blaues Wunder, wenn Oxyd tief in seine psychologische Pigmentkiste griff. So stellte der Kobold mit seinen koboldblauen Pretiosen allerlei Schabernack zur allgemeinen, aber vorrangig zu seiner eigenen Belustigung an.

Oxyd behielt sein Wissen lange Zeit für sich, doch sein Glaube an das Gute in Kobolden und an die Kraft der Farben veranlasste ihn schließlich, es an seine Tochter Smalte, an einen alten Griechen und an einen persischen Dschinn weiterzugeben. Smalte versorgte Nordeuropa mit blauen Gläsern und Tonwaren, der alte Grieche dekorierte seine Wohnküche mit koboldblauen Ornamenten (und begründete damit eine bis heute gepflegte Tradition) und der Dschinn nutzte das Pigment zum Einfärben diverser Naturphänomene. So wurde Koboldblau populär und eroberte nach und nach den Weltmarkt.

Während die Renaissance langsam nordwärts kroch, entstanden in der Umgebung tiefgründiger Sandkisten zahlreiche Blaufarbenwerke mit ebenso tiefgründigen Namen wie „Niederpfannenstiel“, „Pechöfen“ oder „Zwittermühl“. Die Böhmen in Breitenbach erwiesen sich bei der Namensgebung als besonders kreativ und nannten ihre Farbenwerke „Oberes Blaufarbenwerk“, „Mittleres Blaufarbenwerk“ und „Unteres Blaufarbenwerk“.[2] Im 19. Jahrhundert experimentierten mehrere Gelehrte ins Blaue hinein und gelangten teils zu farbstarken Ergebnissen. Das hatte zur Konsequenz, dass Koboldblau weitgehend von anderen Blaupigmenten verdrängt wurde.[3][4]


*Dass es sich hier keinesfalls um Kristalle, sondern um ein Glas handelte, fand Oxyd nie heraus, denn die Festkörperphysik war noch nicht erfunden.

Aufbau und Eigenschaften[edit | edit source]

Caspar David Friedrichs unblaues Gemälde Kirchen- und Waldsterben

Koboldblau hat, ähnlich wie Asteroiden und Tütensuppe, keine genau definierte chemische Formel, sondern variiert in seiner Zusammensetzung. So blöd das für Laien auch klingen mag, handelt es sich chemisch gesehen um eine lose Festung feste Lösung. Ähnlich wie beim Wackelpudding der Farbstoff in der Gelatine ist beim Koboldblau mehr oder weniger Cobaltoxid in Kaliumsilicatglas gelöst. Durch Variation des Cobaltgehalts lassen sich sowohl Blauton als auch Stimmung von luftig-hell bis dunkeldüster gezielt einstellen.[5]

Koboldblau ist feuerfest und gilt als sehr beständig gegenüber den meisten Chemikalien, Umwelteinflüssen, dem Klimawandel und Vandalismus. Auch mit anderen Pigmenten und Stimmungsaufhellern verträgt es sich gut, so dass es bedenkenlos mit diesen gemischt werden kann.

Der dauerhafte Kontakt von Koboldblau mit Bernsteinfarben oder Sternstaub sollte vermieden werden, da der darin enthaltene Ernst die stimmungsgebenden Farbzentren angreift und zu deutlicher Trübung führen kann.[6] In Ölfarben eingebettet kann das Pigment mit den verwendeten Bindemitteln reagieren, wobei es verblasst oder sich ähnlich verfärbt wie ein nach drei Monaten aus dem Schulranzen befreites Pausenbrot. Der melancholische Maler Caspar David Friedrich muss diesen Alterungseffekt genau gekannt haben, denn seine Bilder wandelten sich im Laufe der Zeit von leichten Stimmungstrübern zu schweren Depressionsstimmungskanonen. Es ist wohl kaum Zufall, dass das Alter seiner Gemälde in direktem Zusammenhang mit der Selbstmordrate seiner Besitzer steht.

Herstellung[edit | edit source]

Koboldblau ohne Cobalt-, dafür mit Eisenoxid

Die Herstellung von Koboldblau erfordert eine Grundlage aus Sand, z. B. den aus Nachbars Buddelkiste, und Asche, z. B. die aus Omas Holzofen oder Urne. Die Asche muss in jedem Fall gewaschen werden; beim Sand empfiehlt sich das ebenso, wenn der Nachbar nicht nur Kinder, sondern auch Katzen hält. Nach dem Eindampfen (der Asche, nicht der Katzen!) werden die Grundkomponenten zu einer Glasbasis vermengt. Quarzsand aus dem Baumarkt und Kaliumcarbonat aus der Apotheke tun es auch, sind aber deutlich teurer. Der Basis werden etwa 5 bis 7 % geröstete Cobalterze zugesetzt; geröstete Erdnüsse oder gebrannte Mandeln schmecken zwar besser, führen aber nicht zum gewünschten Ergebnis. Anschließend wird das gut durchmischte Gemenge bei Müllverbrennungstemperatur (ca. 2000 °F) für die Spieldauer einer Langspielplatte (beide Seiten!) geschmolzen. Der entstandene Glaskörper wird in kaltem Wasser abgeschreckt und anschließend zu Pulver gemahlen. Als effektiver Zusatz beim Abschrecken haben sich linkspopulistische Ideen erwiesen; die spontan einsetzende Zersplitterung erleichtert den folgenden Mahlprozess deutlich.

Verwendung[edit | edit source]

Koboldblaue Gläser wurden bereits im Altertum hergestellt; sie dienten in erster Linie als Schmuckgegenstände, aber auch zur Aufbewahrung lichtempfindlicher Flüssigkeiten. Im alten Ägypten wurden darin häufig Krokodilstränen oder Gift abgefüllt, in Persien vorrangig Granatapfelsuppe und Flaschengeister. Die alten Griechen nutzen sie gerne zur Aufbewahrung von Ouzo und Olivenöl. Apropos Öl: Auch in Öl- und Kalktechniken für die (Be-)Malerei sowie zum Einfärben von Stimmungen kam Koboldblau schon früh zum Einsatz. Bis heute ist es das einzige bekannte Pigment, mit dem sich die Augenfarbe von Einhörnern, der Schimmer von Feenflügeln und auf Pfützen schillerndes Benzin realistisch darstellen lassen.

Nachdem andere Blaupigmente sich als einfacher zu produzieren, universeller einsetzbar oder schlicht als noch giftiger, aber hipper erwiesen hatten, wird Koboldblau heute nur noch selten verwendet. In der Glas- und Keramikindustrie dient es zur Herstellung sogenannter Farbkörper (Chromosomen), ganz ohne Gentechnik. Restauratoren setzen es zum Blaumachen alter Gemälde, zur Auffrischung antiker Blaupausen oder zum Anstrich von Fachwerkbalken in natürlichem Holzblau ein. Gelegentlich kommt Koboldblau noch und bei der Illustration magischer Märchenbücher und in giftigen Zaubertinten zum Einsatz.

Weitere Fakten[edit | edit source]

Der legendäre blaue Daumen des Kobolds Oxyd
  • Der Name „Koboldblau“ geht nicht etwa auf das Element Cobalt zurück, sondern der Kobold Oxyd gab umgekehrt dem Cobaltoxid seinen Namen.[7]
  • Die offene Frage, ob sich ein farbstärkeres, organisches Pigment ähnlichen Farbtons aus Kobolden herstellen lässt, quält nicht nur Kobolde, sondern ganz bösonders auch eine ihnen verwandte schrullige koboldblaue Zwergenart, welche es bis in den Literaturkanon geschafft hat. Prof. Dr. h.c. alchim. Gargamel Gurgelhals arbeitet bereits seit Jahrzehnten fieberhaft an einer entsprechenden Biokoboldblaugewinnungsmethodik - bislang ohne Erfolg - was ein Glück für diese indigonen Waldbewohner.
  • Koboldblau (verhexter Dezimalfarbcode: #193153) lässt sich nicht auf allen Bildschirmen, sondern nur auf Aktiv-Matrix-Displays mit Ansteuerung über Tolle-Farben-Transistoren (TFT) darstellen.
  • Zur Einfärbung von Textilien ist Koboldblau nicht geeignet. Das funktioniert wesentlich besser mit Blaubeersaft oder Tomatenketchup – auch wenn bei letzterem eine völlig andere Farbe herauskommt.

Tipps[edit | edit source]

  • Inspiriert von diesem Artikel, aber kein Koboldblau daheim zuhanden? Schau mal in deiner Rumpelstiltzchenkammer nach.
  • Was anziehen, um an Karneval einmal richtig Kobold zu sein? Blauer Anzug aus dem Second-Hand-Shop mit Zertifikat "ehemaliger Dienstanzug eines IBMers von anno 1985", denn der ist tief COBOL-blau!

Einzelnachweise und Literatur[edit | edit source]

  1. Was guckstu hier? „Nicht dokumentiert“ bedeutet nix Dokument, ergo nix Quelle.
  2. Siegfried Sieber: Von böhmischen Blaufarbenwerken, in: Zeitschrift für Geschichte und Kultur der böhmischen Dörfer, A Journal of History and Civilisation in East Central Europe, Band 10, Nr. 1 (1969)
  3. Gordon Bleu: Franzosen färben ihre Riviera mit Azurit ein, in: Nouvelles de la Côte d’Azur, Nr. 111, April 1887
  4. Freya F. Future: Die Gift-Chroniken der Bayer AG: Vom Anilin bis zum Glyphosat, Anpranger-Verlag, Bad Reputation 2016
  5. Fairy Tale: Goblin’s Science – How to Make the World Blue, in: Chemistry & Psychology, Nr. 12, Oktember 1968
  6. Angela Bert, Sophie Le Vragen, Dennis Dasso: Angriff auf die Laune: Mit Ernst ist nicht zu spaßen, in: Angewandte Farbpsychologie, Nr. 13, 2001
  7. Alter Schwede: Blockhaus! Was so nicht im Lexikon steht. ISBN 3-7653-1551-6, S. 255–256.
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